Einen Moment mal - Sabine Petzke

Und worauf stehen Sie?

Auf Sekt oder Selters, Bach oder Beethoven, süß oder salzig?

Beim evangelischen Kirchentag in Köln 2007 gab es für die Teamerinnen und Teamer sonnengelbe T-Shirts. „Eigentlich,“ sagte jemand, „steht mir gelb nicht so gut. Aber die T-Shirts gefallen mir.“

Worauf stehe ich? Was steht mir? Wozu stehe ich – und zu wem stehe ich?

„Du stellst meine Füße auf weiten Raum“ – so lautet das Thema aus dem 31. Psalm in dieser Passionszeit. Was für Motto im 2. Corona-Frühling!

Das heißt doch: ich stehe schon! – Gott hat mich gut aufgestellt und ich kann losgehen, soweit die Füße tragen.

Das Psalmwort ist ein Vers des Gottvertrauens gegen den Augenschein. Wir lesen schon im Textzusammenhang: Die Feinde liegen die ganze Zeit auf der Lauer und spinnen ihre Lügengeschichten.

Dazu hat die Künstlerin Lilian Moreno Sánchez ein Bild von einem Fuß gemalt.

Das Ungewöhnliche dabei: die Vorlage ist ein Röntgenbild – der Fuß wirkt filigran – zerbrechlich und dynamisch zugleich.

Das Erschreckende dabei: Spuren der Gewalt werden sichtbar – der Fuß ist verletzt.

Da ist jemand aufgestanden, einer von vielen, und auf die Straße von Santiago de Chile gegangen im Herbst 2019. Er trat ein für bessere Gesundheitsversorgung, für ein umfassendes Bildungssystem, für bezahlbare U-Bahn-Preise.

Der Fuß – wird er jemals heilen? Die goldenen Fäden auf dem Laken darunter stimmen hoffnungsvoll.

„Du stellst meine Füße auf weiten Raum“.

Wofür trete ich ein?

Wer steht zu mir?

Wie weit ist es noch zum weiten Raum?

Das neue Hungertuch zeigt uns unsere Fragen und Wünsche –

Bleiben Sie behütet auf dem Weg durch diese Passionszeit!

Sabine Petzke

Das MISEREOR Hungertuch 2021 „Du stellst meine Füße auf weiten Raum“ von Lilian Moreno Sánchez @ MISEREOR