Ewigkeit

Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde, denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen. Und Gott wird bei den Menschen wohnen und er wird abwischen alle Tränen von ihren Augen und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein, denn das Erste ist vergangen. Und Gott, der auf dem Thron sitzt spricht: Siehe! Ich mache alles neu. Offb. 21, 1-7

Am kommenden Sonntag wird in unseren Kirchen der Totensonntag gefeiert. In den Gottesdiensten in unserem Land werden die Namen derer verlesen, die im letzten Jahr verstorben sind.
In einigen Gemeinden werden Kerzen entzündet. Für jeden Namen eine Kerze, für jeden verstorbenen Menschen ein Licht und dazu noch eine Kerze für die ungenannten, die in dem letzen Jahr verstorben sind.
Die Worte aus der Offenbarung des Johannes gehören zu diesem Sonntag.

Das graue und kalte Wetter dieser Tage passt zu diesem Anlass. Trübe Gedanken wollen uns gefangen nehmen, dunkle Wolken sind um unsere Herzen, wenn wir an jene denken, die wir verloren haben – nicht nur in diesem Jahr. Aber ich denke, es ist gut so, dass wir uns diese Zeit nehmen, an die Verstorbenen zu denken. Dass wir den Schmerz noch einmal zulassen, dass wir sie nicht vergessen, die in unserem Leben wichtig waren.

Es ist gut so, dass wir den Tod nicht ganz verdrängen, dass wir aufmerken: Es gibt einen Anfang und es gibt ein Ende. Und wir dürfen uns sagen lassen, beides ist bei Gott geborgen.

Bevor wir in die hell erleuchteten Advents- und Weihnachtswochen gehen, in die Zeit der Lichterketten und des hektischen Trubels, soll es noch einmal darum gehen, diese Dunkelheit auszuhalten. Die Trauer zuzulassen und nicht zu fliehen, wenn sich so viele Ablenkungen anbieten, das ist gar nicht so einfach. Still zu werden und an die Worte aus dem Alten Testament zu denken: Herr, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf das wir klug werden.

Die Stille aushalten, ohne gleich eine Antwort zu wissen, auf all die Fragen, die uns einholen, wenn wir an unsere Verstorbenen denken.

Denn in diese Stille und die Dunkelheit unserer Herzen hinein verspricht uns Gott einen neuen Himmel und eine neue Erde. Er selbst wird sich unserer Leiden annehmen und all unsere Tränen abwischen.

Das, was uns der Prophet Johannes in seiner Offenbarung am Ende der Bibel schreibt, es klingt zu schön, um wahr zu sein: Gott will bei uns sein, will bei uns wohnen, um uns selbst zu trösten.

Ich glaube, es muss erst ganz still werden, damit wir diese Worte hören können. Es muss erst ganz dunkel werden, damit wir den Schein der Hoffnung schimmern sehen. Wir müssen erst unsere eigene Endlichkeit spüren, damit wir diesen Worten vertrauen können.

Das Alte: Es wird nicht mehr sein. Es wird vergehen, so wie dieses Jahr vergeht und stirbt.

All das, woran wir unser Herz auf Erden hängen, ist endlich. Es ist nichts auf dieser Welt, das wir festhalten können, von allem, was uns lieb geworden müssen wir uns einmal trennen.

Wir alle haben das schon einmal erlebt, haben den Verlust eines lieben Menschen betrauert.

Doch so wie sich im Herbst die Bäume von ihren Blättern trennen, damit aus ihnen neuer Boden wird, wie sie sich all ihrer Last entledigen, um in den kalten Winter zu gehen, so schlagen sie doch im Frühjahr aufs Neue aus und das, was wir für tot erachteten treibt neues Grün.

Gott wird alles neu machen, denn das erste ist vergangen.

In einem jeden Jahr werden wir Zeugen dieses Naturwunders um uns herum, das wir inzwischen sogar erklären können und das dennoch nichts von seinem Zauber verloren hat. Aus dem Tod entsteht neues Leben. Warum dann nicht einfach glauben, dass uns ebendies erwartet.

Wieso trauen wir Gott so etwas nicht zu, was wir in der Natur Jahr für Jahr beobachten können, dass aus dem Tod neues Leben wächst. Ist Gott nicht der Schöpfer aller Dinge. Der Natur zuerst und dann auch Schöpfer des Menschen?

Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu!

Wie die Blätter eines Baumes dürfen wir uns in die Hand dessen fallen lassen, der uns tragen und bewahren will. Ob wir nun grün sind, oder ob wir schon einen leichten braunen Schimmer haben.

Getragen von dieser Zuversicht dürfen wir die Tage unseres Lebens genießen, die Gott uns schenkt, können wir auch in tiefster Dunkelheit einen Hoffnungsschimmer in unseren Herzen bewahren.

Ihnen allen wünsche ich eine besinnliche Zeit. Eine Zeit des Gedenkens und der Hoffnung auf das Kommen unseres Herrn Jesus Christus.

 

Ihr Volker Meiling