Gedanken über die Ewigkeit

Liebe Schwestern und Brüder,
in diesen Tagen, in denen das alte Jahr zur Neige geht und das adventliche Treiben zumeist noch nicht begonnen hat,
gehen unsere Gedanken zu denen, die wir verloren haben und die wir um uns herum vermissen. Und unsere Wege führen uns auf die Friedhöfe zu ihren Gräbern.

Der November ist der Monat des Gedenkens und wenn die Blätter nach der Nächte Frost von den Bäumen zu Boden fallen, werden auch wir daran erinnert, dass alles irdische Leben einmal zu seinem Ende kommen wird.
Es ist die Zeit, in der die Frage, woher wir kommen und wohin wir gehen nach uns greift. Das ist jetzt dran.
Wir nehmen uns die Zeit und schauen auf unser Leben und auf die vergangenen Lebensabschnitte, die wir mit unseren Verstorbenen gemeinsam gelebt haben.
In unseren Gedanken begegnen wir erlebten Orten und manchmal wundern wir uns, wie schnell doch die Jahre vorbei gegangen sind und fragen uns, wo denn die Zeit geblieben ist.

Je älter wir werden, desto schneller vergeht die Zeit, sagt man, doch manche Zeit der Trauer wieder scheint uns ewig.
Woher kommen wir und vor allem wohin gehen wir?
Wohin sind die, die uns vorausgegangen?
Was wird aus all den Träumen, dem Lachen, den Sorgen, den Eigenheiten, Ecken und Kanten der Verstorbenen'? Verblassen sie mit der Zeit wie unsere Erinnerung'?

„Die Seelen der Gerechten sind in Gottes Hand, und keine Qual kann sie berühren. In den Augen der Toren sind sie gestorben, ihr Heimgang gilt als Unglück, ihr Scheiden von uns als Vernichtung, sie aber sind in Frieden. "

Diese Worte aus dem Buch der Weisheit im Alten Testament sprechen für sich selber: Sie geben eine Antwort auf die Frage, wo unsere Toten ihren Raum haben. Unsere Verstorbenen sind bei Gott.
Geben wir sie aus unseren Händen, so sind sie geborgen in Gottes Hand. Gut aufgehoben sind sie dort. Fern aller Qualen.
Sicher, manch einer mag meinen, der Tod sei nichts als Vernichtung. Wer es jedoch wagt, auf Gott zu vertrauen, der darf gewiss sein, dass unsere Verstorbenen in Gottes Hand einen festen Ort haben und Frieden finden.

Gott lenkt unseren Blick der Trauer weg von den Gräbern der Verstorbenen hinauf in die Weite seiner himmlischen Gnade.
Gottes Wege mit uns Menschen gehen weiter als unsere engen Herzen es fassen können.
Gott will unsere Schmerzen lindern und stellt uns in diesen größeren Zusammenhang.

So spricht der Psalmbeter:
Ehe denn die Berge waren und die Erde und die Welt erschaffen wurden bist du, Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit,
der du die Menschen sterben lässt und sprichst:
Kommt wieder Menschenkinder,
denn tausend Jahre sind vor dir wie der Tag der gestern vergangen
und wie eine durchwachte Nacht.
Herr, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.

Gott eröffnet uns im Leben einen neuen Raum, gibt uns einen Ort für unsere Verstorbenen und auch für uns selber eine Zukunft in Gottes Hand, wenn unser Lebenskreis sich schließt.
Mit dem Tod fällt ein Mensch nicht in ein Nichts, sondern nicht tiefer als in Gottes Hand.
Geborgen in der Liebe Gottes kommt der Mensch an sein Ziel. Bei Gott finden Quelle und Ziel unseres Lebens zueinander.
Und Gottes Geborgenheit hat kein Ende, auch wenn wir uns manchmal in unserer Trauer schutzlos und ohnmächtig fühlen, können wir doch nicht herausfallen aus der Liebe und Gnade Gottes, in der alles Lebendige auf seine Erfüllung zuläuft.

Gedanken des Trostes und des Friedens wünsche ich Ihnen für diesen November.

Ihr Volker Meiling