Warten auf Got

Advent bedeutet warten auf Gott. Der Prophet Jesaja ermutigt uns zu warten: „Die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler.“ (Jesaja 40,31)

Warten steht nicht hoch im Kurs in unserer kurzlebigen Zeit. Aktivsein und etwas bewegen ist im Trend. Wer abwartet, sich etwas Ruhe und Besinnung gönnt wird schnell schief angesehen. Man muss die Dinge schon selbst in die Hand nehmen. Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied.

Das Warten, selbst wenn wir das Ziel schon deutlich vor Augen haben, fällt uns schwer. Das bemerken wir spätestens dann, wenn wir in der Post, im Einkaufsladen oder an der Tankstelle am Ende der Schlange stehen. Da werden 3 Minuten Warten zu einer kleinen Ewigkeit.

Im Angesicht des ewigen Gottes gehen die Uhren des Glaubens etwas langsamer. In der Erwartung der Gegenwart Gottes im Stall zu Bethlehem sind 3 Minuten eben nur ein zarter Hauch von Ewigkeit und kein Grund zur Aufregung.

Viel Aufregender ist jedoch, was uns nach den Worten des Propheten Jesaja erwartet, wenn wir warten können und auf Gott harren. Aus der Ruhe des Wartens kommt die Kraft, die Gott uns schenkt. Kraft, die uns aufbrechen lässt und beflügelt. Lebensenergie, die uns wie die Adler Grenzen überwinden lässt – auch die Grenze zwischen Himmel und Erde.

Warten auf Gott, das ist die Aufgabe und Herausforderung der Adventzeit. Bei aller Geschäftigkeit und Eile im Advent – nur aus dem Warten auf Gott erhält diese Zeit ihren Sinn. Und es fällt uns das größte Geschenk dieser Zeit fast wie von selbst in den Schoß: Neue Kraft, die Gott uns schenkt.

Denken Sie doch einmal an die Worte des Jesaja, wenn Sie demnächst wieder in der Schlange stehen und warten.

Eine gesegnete Adventzeit wünsche Ihnen
Johannes Böttcher