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Was für ein Kirchentag? Was für ein Vertrauen! Kann Dortmund Kirchentag?

03.07.2019

Was für ein Vertrauen – so lautete das Motto des 37. Deutschen Evangelischen Kirchentags in Dortmund. Ja, mal wieder einen Kirchentag komplett erleben!?

Vom Gedenken zu Beginn bis zum Abschlussgottesdienst, von Evangelischer Messe um 8.00 Uhr bis Nachtsegen um 22.00 Uhr, von Bibelarbeit bis Podiumsgespräch? Und zum ersten Mal ein Privatquartier beziehen? Wäre das ein Konditions- wie Vertrauenstest?

Ja, und auf jeden Fall ein Erfahrungsraum jenseits gewohnter Bahnen von Familie, Job und Gemeinde. Und ja, auch in Dortmund!

Und so machte ich mich auf, mit 118.00 anderen Teilnehmern, darunter mehr als 2 Dutzend Besucher aus unsere Kirchengemeinde Pulheim. Einige aus Pulheim wie Pfr. Volker Meiling und Organist Wolfgang Schulz-Pagel wirkten aktiv am Programm mit.

 

 

Musik aus Pulheim live: Quartett aus unserer Gemeinde bringt das Konzerthaus zum Singen und Klingen

So sangen 300 bis 800 Teilnehmer mit ihnen begeistert Kirchentagslieder beim offenen Singen im Dortmunder Konzerthaus. Und am Samstag moderierte Volker Meiling auf der Bühne der Evangelischen Kirche im Rheinland u. a. ein Gespräch darüber, wie wir in Zukunft sinnvoll arbeiten und leben.

 

Diskussion auf City-Bühne am 22. Juni: Arbeit, Zukunft, Sinn - Lebensentwürfe zwischen Vertrauen und Verunsicherung

 

Der Kirchentag entfaltete sich in der westfälischen Metropole überwiegend an zwei Orten – der Innenstadt und den Westfalenhallen. Doch auch in Stadtteilen gab es viele Veranstaltungen, nicht nur am Abend der Begegnung. So erlebte ich in der Markus-Kirche in der als sozialer Brennpunkt bekannten Nordstadt den „Treffpunkt Christliche Popmusik“. Und in meinem Quartiersort Wickede lud eine Pfingstgemeinde aus Ghana zu Gottesdienst und afrikanischem Essen ein – „Mittagstisch der Migrationskirchen“ lautete das Motto des Kirchentags dazu.

 

Gäste der Church of Pentecost in Wickede am 22. Juni 2019

 

Die immer wieder überraschende Verbindung von Vertrautem und Ungewohnten, das macht für mich den Kirchentag aus. So lud im Schatten der Petri-Kirche im Zentrum die Jesusbruderschaft aus Gnadenthal zur Tauferinnerung ein. Und hinter den Kirchenmauern stand ein Wald, barfuß durfte das Kirchenschiff im Grün durchwandert werden, während evangelische Kommunitäten im Altarraum zur Einzelsegnung einluden.

 

„Ich glaub, ich steh` im Wald“: Siegerländer Bäume in der Petrikirche (DEKT-Bild)

 

Viel Zuspruch fanden die politischen Diskussionen und Vorträge. Dabei standen in Dortmund im Vordergrund die Klimagerechtigkeit, das Retten von Flüchtenden im Mittelmeer und das Reagieren auf vergiftende Hassreden von Populisten und Rechtsextremisten. Ebenso überfüllt wie die Bibelarbeit des EKD-Ratsvorsitzenden Heinrich Bedford-Strohm: die Straßen- und U-Bahn in Dortmund. Auch das „Zentrum Bibliodrama/Bibliolog“ konnte den Andrang nicht fassen. So gab es auch ganz spontane Dramen bei der Platzvergabe. Aber diese Erfahrung gehört ja auch zum Kirchentag: dass ich nicht dahin gelange, wohin ich gern möchte.

 

Überfüllt – das Boot im Sturm am Fronleichnamstag

 

Erstmals gab es ein „Zentrum Sport“ bei einem Kirchentag, mit vielen Chancen, sich auszuprobieren. Ob das Verbinden von Himmel und Erde beim morgendlichen Qi Gong im Rosengarten oder das „Spirituelle Laufen“ – das kam gut an. Und so hielten auch neben der Westfalenhalle Pfadfinder das traditionelle Kirchentagsschild hoch: „Halle überfüllt“.

 

Am Sonntag blieben diese Tafeln ungenutzt. Überraschenderweise kamen nur 32.000 Gäste zum Abschlussgottesdienst in das BVB-Stadion, 5.000 feierten im schattigen Grün des Westfalenparks an einem See.

 

Grünes Idyll - Bühne zum Abschlussgottesdienst im Westfalenpark (DEKT-Bild)

 

Gottes Vertrauen zu uns annehmen, als Gnade und Geschenk, sich davon verwandeln zu lassen und selber Vertrauen großzügig schenken, mit diesen Gedanken ging die Kirchentagsgemeinde auseinander. „Dortmund kann Kirchentag“, bilanzierte Kirchentagspräsident und Journalist Hans Leyendecker glücklich.

 

Vertrauen gerechtfertigt: Kirchentagsmotto mit Präsident Hans Leyendecker und Generalsekretärin Julia Helmke

 

Wie wahr. Für mich waren es fünf Tage gefüllt mit Überraschungen, Begegnungen und Freundlichkeit. Gottes Geist und westfälische Gastfreundschaft waren eine großartige Kombination, um einen abwechslungsreichen wie belebenden Trainingsparcour in Sachen Vertrauen zu bieten.

 

Der nächste Kirchentag soll der 3. Ökumenische Kirchentag vom 12. bis 16. Mai 2021 in Frankfurt am Main sein – was für ein Vertrauen.

 

 

 

(Bodo Becker)

 

 

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